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Cloud & Microsoft

Weg zum Cloud-Architekten

Wie du vom Admin zum Cloud-Architekten wirst: nötige Breite, Praxisfokus, Zertifizierungen und sinnvolle Schulungen im Überblick.

01. Juni 2024 7 Min. Lesezeit

KI-generiert

Viele erfahrene Admins landen irgendwann bei der gleichen Frage: Reicht es mir, virtuelle Maschinen und Dienste zu betreiben, oder will ich ganze Cloud-Landschaften entwerfen und verantworten. Der Schritt zum Cloud-Architekten ist kein Titel, sondern ein Rollenwechsel: weg vom Reagieren auf Tickets, hin zum bewussten Design von Plattformen, die mehrere Jahre halten müssen.

Vom Admin zum Architekten: Rollenwechsel verstehen

Als Admin bist du meist im Operativen unterwegs: Systeme aufsetzen, Probleme lösen, Skripte bauen, Monitoring im Blick behalten. Als Cloud-Architekt verschiebt sich der Schwerpunkt:

  • Du triffst technische Grundsatzentscheidungen.
  • Du definierst Standards, auf denen andere aufbauen.
  • Du bewertest Auswirkungen auf Kosten, Sicherheit und Betrieb.
  • Du moderierst zwischen Fachbereichen, Entwicklung und Betrieb.

Typische Fragen eines Admins:

  • Wie konfiguriere ich die VPN-Verbindung stabil.
  • Wie automatisiere ich das Patchen der VMs.

Typische Fragen eines Architekten:

  • Brauchen wir überhaupt VMs oder reicht eine PaaS-Lösung.
  • Wie segmentieren wir Netzwerke und Berechtigungen, damit das Setup in drei Jahren noch beherrschbar ist.
  • Welche Region, welche Verfügbarkeitszonen, welches Backup- und DR-Konzept sind sinnvoll.

Der größte Unterschied: Du entscheidest nicht mehr nur, wie etwas umgesetzt wird, sondern ob und warum es überhaupt so gebaut wird.

Die nötige Breite: welche Themen du beherrschen solltest

Ein Cloud-Architekt muss nicht alles bis ins letzte Detail selbst konfigurieren können. Aber du musst genug verstehen, um sinnvolle Entscheidungen zu treffen, Risiken zu erkennen und mit Spezialisten auf Augenhöhe zu sprechen. Vier Bereiche sind dabei zentral.

1. Netzwerk: ohne sauberes Fundament geht nichts

Cloud-Netzwerke sehen auf den ersten Blick simpel aus: ein paar virtuelle Netzwerke, Subnetze, Peering, VPN. In der Praxis wird es schnell komplex, besonders in hybriden Szenarien mit Rechenzentrum oder Niederlassungen.

Themen, die du als angehender Architekt sicher beherrschen solltest:

  • IP-Adresskonzepte und Subnetting, reservierte Bereiche, Overlaps vermeiden.
  • Routing in der Cloud, User Defined Routes, BGP in Site-to-Site-VPNs.
  • Netzwerksegmentierung nach Sicherheitszonen, nicht nach Organigramm.
  • Private Endpoints und Service Endpoints, um Dienste nicht unnötig öffentlich zu machen.
  • DNS-Strategien: interne und externe Zonen, Namensauflösung über verschiedene Standorte.

Gerade in größeren Umgebungen in München, wo Cloud und bestehende On-Prem-Netze zusammenkommen, sind saubere Netzwerkentscheidungen der Unterschied zwischen „läuft gut“ und „Dauerbaustelle“.

2. Security: von „Absichern“ zu „Security by Design“

Viele Admins sehen Security als zusätzlichen Schritt: erst wird etwas gebaut, dann abgesichert. Als Architekt musst du Security von Anfang an mitdenken. Wichtige Bausteine:

  • Identity und Access Management: Rollen, Gruppen, Prinzip „Least Privilege“.
  • Trennung von administrativen und fachlichen Konten.
  • Governance: Policies, die verhindern, dass unsichere Ressourcen überhaupt entstehen.
  • Logging und Monitoring: zentrale Protokollierung, Alarme, Aufbewahrungsfristen.
  • Secrets Management: keine Passwörter in Skripten oder Pipelines, sondern zentrale Secret Stores.
  • Bedrohungsmodelle: Welche Angriffswege sind realistisch, welche Kontrollen helfen wirklich.

Security ist nicht nur Technik. Du musst auch erklären können, warum bestimmte Regeln sinnvoll sind, und mit Fachbereichen einen Kompromiss zwischen Sicherheit und Nutzbarkeit finden.

3. Kosten: Architektur hat direkte Budgetwirkung

Cloud-Kosten sind kein Controlling-Thema am Monatsende. Du legst als Architekt mit jeder Designentscheidung die Kostenstruktur fest. Dabei geht es nicht nur um „billig“, sondern um „wirtschaftlich sinnvoll“.

Wichtige Fragen:

  • Nutzt du VMs oder PaaS-Dienste, und wie wirkt sich das auf Lizenzierung und Betrieb aus.
  • Welche Redundanz ist wirklich nötig, und wo ist „99,9 %“ statt „99,99 %“ ausreichend.
  • Wie skalieren Dienste, und wie verhält sich das bei Lastspitzen und im Normalbetrieb.
  • Welche Reservierungs- oder Commitment-Modelle passen zum Nutzungsverhalten.

Du musst lernen, Kostenabschätzungen zu machen, verschiedene Varianten zu vergleichen und diese Vergleiche verständlich zu präsentieren. Ein einfaches Excel mit groben Monatskosten, aufgeteilt nach Komponenten, hilft oft mehr als jede schicke Diagramm-Ansicht im Portal.

4. Design und Dokumentation: lesbare Architekturen bauen

Architekturdesign ist kein Kunstwerk, sondern Kommunikationswerkzeug. Du brauchst klare, nachvollziehbare Entwürfe, die andere verstehen und weiterentwickeln können.

Dazu gehören:

  • Standards für Namenskonventionen, Tags, Ordner- und Subscription-Struktur.
  • Einfache, aber konsistente Zeichnungen: Netzwerk-Topologien, Datenflüsse, Abhängigkeiten.
  • Entscheidungen dokumentieren: Welche Optionen wurden betrachtet, was wurde verworfen und warum.
  • Wiederverwendbare Bausteine: Referenzarchitekturen für typische Szenarien im Unternehmen.

Hilfreich ist, wenn du dir ein Set von 5 bis 10 Standarddiagrammen erarbeitest, die du immer wieder verwendest, etwa für:

  • Drei-Ebenen-Anwendungen mit Web, API, Datenbank.
  • Batch-Verarbeitung mit Storage, Queue und Worker.
  • Hybride Anbindung von On-Premises an die Cloud.

Microsoft-Cloud im Fokus: Azure-spezifisches Wissen

In der Kategorie „Cloud & Microsoft“ führt kaum ein Weg an Azure vorbei. Für den Weg zum Cloud-Architekten solltest du die wichtigsten Azure-Bausteine kennen und verstehen, wie sie zusammenspielen.

Dazu zählen insbesondere:

  • Azure Virtual Network, Subnetze, Peering, VPN Gateway, ExpressRoute.
  • Azure Active Directory bzw. Entra ID, Conditional Access, Rollenmodelle.
  • Azure Storage, Datenbanken (z. B. Azure SQL), Backup- und Recovery-Optionen.
  • Compute-Optionen: VMs, App Services, Functions, Container-Instanzen, AKS.
  • Governance-Bausteine: Management Groups, Subscriptions, Azure Policy, Blueprints.
  • Monitoring mit Azure Monitor, Log Analytics, Application Insights.

Du musst nicht jede Option im Detail beherrschen. Wichtig ist, dass du typische Kombinationen kennst und weißt, wann welcher Dienst sinnvoll ist. Microsoft stellt auf Microsoft Learn zahlreiche Referenzarchitekturen bereit, die du studieren und kritisch hinterfragen kannst.

Zertifizierungen: sinnvoller Fahrplan Richtung Architektur

Zertifizierungen sind kein Selbstzweck, aber sie geben Orientierung und strukturieren dein Lernen. Für den Weg vom Admin zum Cloud-Architekten mit Microsoft-Fokus hat sich grob folgende Reihenfolge bewährt:

  1. Grundlagen:
  • „Azure Fundamentals“ (AZ-900): vermittelt Grundbegriffe, Kostenmodelle, grundlegende Dienste.
  • Gut geeignet, um eine gemeinsame Sprache mit Fachbereichen und Management zu finden.
  1. Technische Tiefe:
  • „Azure Administrator“ (AZ-104): deckt die Sicht des klassischen Admins in der Cloud ab.
  • Hier vertiefst du Netzwerke, Compute, Storage, Identitäten und Monitoring.
  1. Architekturfokus:
  • „Azure Solutions Architect Expert“ (AZ-305): richtet sich an diejenigen, die Lösungen entwerfen und verantworten.
  • Starker Fokus auf Designentscheidungen, Governance, Sicherheit und Kosten.

Parallel dazu können weitere Zertifizierungen sinnvoll sein, je nach Schwerpunkt:

  • Security-Fokus: „Azure Security Engineer“.
  • DevOps-Fokus: „DevOps Engineer Expert“.

Wichtig ist: Zertifikate sind ein guter Rahmen, aber du solltest sie mit echten Projekten oder realistischen Labs kombinieren. Nur Multiple-Choice-Wissen macht dich noch nicht zum Architekten.

Welche Schulungen den Sprung stützen

Um vom operativen Admin in die Architektenrolle zu kommen, brauchst du eine Mischung aus technischem Training, Architekturmethodik und Übung mit echten Szenarien.

Sinnvoll sind zum Beispiel:

  • Grundlagen- und Aufbauschulungen zu Azure, um die Dienste und deren Zusammenspiel zu verstehen.
  • Spezielle Trainings zu Netzwerk und Security in der Cloud, gerade für hybride Umgebungen mit bestehendem Rechenzentrum.
  • Architekturworkshops, in denen du Szenarien modellierst, Referenzarchitekturen diskutierst und Designentscheidungen begründest.
  • Workshops zu Infrastruktur als Code und Automatisierung, damit Architektur nicht nur auf Folien existiert, sondern reproduzierbar ist.

Wenn du in oder um München arbeitest, lohnt sich eine Präsenzschulung, in der du mit anderen Admins und Architekten aus der Region echte Szenarien diskutierst. Aktuelle Termine und passende Kurse findest du bei cmt.de.

Praxisnahe Lernstrategie: so gehst du konkret vor

Der Weg zum Cloud-Architekten ist ein Prozess von mindestens einigen Monaten. Sinnvoll ist ein schrittweiser Ansatz:

  1. Ist-Stand klären
  • Welche Cloud-Erfahrung hast du bereits.
  • Welche Projekte laufen in deinem Unternehmen.
  • Wo bist du heute eingebunden, wo könntest du mehr Verantwortung übernehmen.
  1. Basis aufbauen
  • Azure-Grundlagen lernen, etwa über Microsoft Learn oder einen strukturierten Kurs.
  • Erste kleine Umgebungen selbst aufbauen: ein VNet mit Subnetzen, eine simple Webanwendung mit Datenbank, ein VPN ins Heimnetz.
  1. Architekturbrille aufsetzen
  • Bestehende Umgebungen im Unternehmen analysieren: Wie sind sie aufgebaut, was würdest du heute anders machen.
  • Referenzarchitekturen anschauen und auf deine Umgebung übertragen.
  1. Security und Kosten integrieren
  • Für jede Umgebung, die du entwirfst, bewusst Security- und Kostenfragen beantworten.
  • Kleine Kostenmodelle in Excel oder ähnlichen Tools rechnen, statt nur auf das Portal zu schauen.
  1. Erfahrungen dokumentieren
  • Schreibe Architekturentscheidungen auf, auch in kleinen Projekten.
  • Erstelle wiederverwendbare Vorlagen, etwa für Netzwerke oder Berechtigungsmodelle.
  1. Feedback einholen
  • Tausche dich mit erfahrenen Architekten aus, intern oder in Communities.
  • Stelle deine Entwürfe zur Diskussion, auch wenn sie noch nicht „perfekt“ sind.

Typische Stolperfallen auf dem Weg zum Architekten

Ein paar Fehler tauchen bei fast allen auf, die den Schritt vom Admin zum Cloud-Architekten machen:

  • Zu viel Technik, zu wenig Kontext: Du kennst jeden Schalter im Portal, aber kaum die Fachanforderungen.
  • „VM-first“-Denken: Alles wird wie im Rechenzentrum auf VMs gebaut, statt Cloud-Dienste sinnvoll zu nutzen.
  • Keine klare Verantwortung: Architekturentscheidungen werden „nebenbei“ getroffen, ohne dass jemand sie wirklich verantwortet.
  • Mangelnde Vereinfachung: Zu komplexe Designs, die zwar spannend aussehen, aber im Betrieb kaum beherrschbar sind.
  • Dokumentation vergessen: Alles steckt im Kopf oder im Whiteboard-Foto, aber nicht in einer nachvollziehbaren Doku.

Ein guter Cloud-Architekt erkennt diese Muster und arbeitet bewusst dagegen: weniger Spieltrieb, mehr Fokus auf Stabilität, Wartbarkeit und Verständlichkeit.

Fazit: Architekt wirst du durch Verantwortung, nicht durch Titel

Der Weg vom Admin zum Cloud-Architekten ist kein einmaliger Karrieresprung, sondern eine Veränderung deiner Arbeitsweise. Du musst über den Tellerrand deiner Systeme hinausschauen, dich mit Netzwerk, Security, Kosten und Design auseinandersetzen und Entscheidungen treffen, die andere mittragen können.

Zertifizierungen und Schulungen helfen dir, die nötige Breite strukturiert aufzubauen. Den eigentlichen Schritt machst du aber im Alltag: indem du Verantwortung für Architekturen übernimmst, sauber dokumentierst, mit anderen Rollen zusammenarbeitest und bereit bist, aus Fehlern zu lernen.

Wenn du diesen Weg bewusst gehst, wirst du vom Admin, der Systeme betreibt, zum Architekten, der Plattformen gestaltet. Genau diese Rolle wird in Cloud-Projekten heute dringend gebraucht.

Nächster Schritt

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